In Hessen werden im Schnitt fünf Listenhunde pro Jahr getötet, weil sie eine Gefahr für Menschen darstellen. SPD und Linke sehen die „Rasseliste“ kritisch.34670360,38428661,dmFlashTeaserRes,Kampfhund[1]

In Hessen müssen im Durchschnitt fünf Kampfhunde pro Jahr getötet werden.  Foto: Imago

In Hessen müssen im Durchschnitt fünf Kampfhunde pro Jahr getötet werden. Foto: Imago

In Hessen müssen im Durchschnitt fünf Kampfhunde pro Jahr getötet werden, weil sie Menschen ernsthaft verletzt haben oder die Gefahr dafür bestand. Das hat Innenminister Peter Beuth (CDU) jetzt mitgeteilt.

Es ist ein Thema, bei dem die Emotionen hochkochen. So war es im September 2014, als Polizisten in Rüsselsheim zwei American Staffordshire Terrier erschossen, nachdem ein Mann gebissen worden war, und das Video über den Einsatz im Internet zu sehen war. Empörung richtete sich seinerzeit nicht etwa gegen die Hunde oder ihren Halter, sondern gegen die Beamten.

Die beiden Terrier sind zwei der insgesamt 69 so genannten „Listenhunde“, die seit 2003 getötet wurden. Das geht aus der Antwort von Minister Beuth auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Barbara Cárdenas hervor. Als „Listenhunde“ gelten Pitbull-Terrier, Staffordshire-Terrier und sieben andere Hunde-Arten, die auf der Liste gefährlicher Rassen aufgeführt werden.

Diese so genannte „Rasseliste“ hat sich nach Auffassung des Innenministers bewährt. Dort werden Hunderassen aufgeführt, die etwa besondere „Kampfbereitschaft“ aufweisen. Solche Hunde dürfen nur im Einzelfall gehalten werden, wenn durch eine Begutachtung nachgewiesen wird, dass sie keine besondere Aggressivität besitzen. Wenn nicht mehr als drei Prozent einer Hunderasse bei diesen „Wesensprüfungen“ durchfallen, kann sie von der Liste gestrichen werden. Daher stehen nach Beuths Angaben der Mastino Napolitano und der Fila Braileiro nicht mehr auf der Liste der gefährlichen Hunde.

Schäferhund steht nicht auf der Liste

Umgekehrt werden Hunderassen auf Grund neuerer Erkenntnisse und Beiß-Statistiken in die Liste aufgenommen. So zählt der Rottweiler seit 2008 in Hessen zu den besonders gefährlichen Hunderassen.

Der beliebteste Hund, der Deutsche Schäferhund, steht nicht auf der Liste. Dabei sei das Risiko, von einem solchen Tier gebissen zu werden, „weitaus höher“, als etwa bei einem American Staffordshire Terrier“, bemerkt die Linken-Politikerin Cárdenas.

Minister Beuth nimmt den Schäferhund in Schutz. Er falle in der Beiß-Statistik nur auf, weil es so viele davon gebe. Sobald sich aber „das Verhältnis zwischen Beißvorfällen und der Anzahl der Hunde“ deutlich verändere, „würde auch eine Aufnahme des Deutschen Schäferhundes auf die Rasseliste vorgenommen“, versichert der Minister. Als gefährlich würden ohnehin alle Hunde eingestuft, die „einen Menschen gebissen oder in Gefahr drohender Weise angesprungen“ hätten – etwa auch Schäferhunde, die sich so verhielten.

SPD und Linke sehen die „Rasseliste“ kritisch. Sie fänden es besser, wenn Hundehalter eine so genannte Sachkundeprüfung ablegen müssten. Beuth hält nichts von einem Hundeführerschein. „Hier würden gerade vielen Familien und älteren Menschen unnötig zusätzliche bürokratische Hürden auferlegt“, urteilt er.

Die Rasseliste gebe den Behörden zudem eine bessere Möglichkeit, schnell auf Gefahren zu reagieren. Sonst könnten sie erst einschreiten, wenn die Tiere bereits aggressiv würden. Ein „Recht des ersten Bisses“, das zu Lasten der Sicherheit gehe, dürfe es nicht geben, formuliert Beuth.

Quelle: www.fr-online.de