Wie gebrauchte menschliche Herzschrittmacher Hunden ein zweites Leben schenken könnten
Autor: Frank Mai (Germany)
Kontakt: info@hundewiesen.com
Datum: Oktober 2025
Rubriken: Gesundheit · Medizin · Gesellschaft
Über das Thema
Die Idee, dass ein Herzschrittmacher über den Tod seines Trägers hinaus weiterleben und einem Tier das Leben retten kann, berührt Menschen weltweit.
Tatsächlich gibt es in den USA Programme wie Pacemakers for Pets, bei denen gebrauchte menschliche Herzschrittmacher gereinigt, geprüft und Hunden implantiert werden.
In Deutschland ist dieses Konzept weniger verbreitet.
Eine aktuelle Recherche unter führenden tiermedizinischen Kliniken – darunter die LMU München, die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Tierklinik Ismaning und die TiHo Hannover – zeigt:
Ja, eine Wiederverwendung ist medizinisch möglich, doch sie bleibt eine seltene Ausnahme.
Der Artikel beleuchtet medizinische, ethische und gesellschaftliche Aspekte dieses Themas – zwischen Hoffnung, technischer Machbarkeit und rechtlichen Grenzen.

„Ein zweites Leben für den Herzschrittmacher“
Der Gedanke ist ebenso einfach wie berührend: Wenn ein Mensch stirbt, könnte das kleine Gerät in seiner Brust – ein Herzschrittmacher – einem Hund das Leben retten. Im Internet kursieren immer wieder Beiträge, die genau das behaupten: Schrittmacher aus der Humanmedizin könnten nach dem Tod gespendet, sterilisiert und in tiermedizinischen Kliniken weiterverwendet werden. Doch was ist dran an dieser Hoffnung?
Herzschrittmacher, die Leben verlängern – Geschichten, die berühren
In den USA und zunehmend auch in Europa zeigen reale Fälle, wie lebensrettend die Implantation eines Herzschrittmachers für Hunde sein kann.
🐾 Zeus (UC Davis, Kalifornien)
Der kleine Mischling litt an einem vollständigen AV-Block und war lebensbedrohlich erkrankt. Seine Familie fuhr quer durch das Land zur Universitätstierklinik von UC Davis. Nach der Implantation des Schrittmachers stabilisierte sich sein Herzrhythmus sofort – heute tobt Zeus wieder wie zuvor. „Man würde nicht glauben, dass er ein Implantat trägt“, berichten die Tierärzt:innen.
🐾 Birdie (Texas A&M University)
Eine komplizierte Notoperation mitten in der Nacht rettete Birdie das Leben. Tierärztin Dr. Ashley Saunders erinnert sich: „Wir arbeiteten die ganze Nacht durch – und Birdie schaffte es.“ Nach der OP lebt Birdie ohne Einschränkungen, begleitet von regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen.
🐾 Sissy (Texas A&M University)
Die Hündin „flog durch die OP wie ein Champion“, erzählen ihre Behandler:innen. Ihr Schrittmacher überbrückt nun den defekten AV-Knoten und sorgt für einen stabilen Herzschlag – eine moderne Erfolgsgeschichte der Veterinärkardiologie.
🐾 Henry (University of Minnesota)
Der Cocker Spaniel erlitt wiederholt Ohnmachtsanfälle. Am Tag der Diagnose wurde sofort ein Schrittmacher implantiert. Schon am nächsten Tag konnte Henry nach Hause – die Synkopen sind seitdem verschwunden.
🐾 „Pacemaker Posse“ (Oklahoma State University)
Ein Netzwerk geretteter Hunde, die alle einen Herzschrittmacher tragen. Ihre Besitzer:innen berichten über „zweite Chancen“ und neu gewonnene Lebensfreude – ein Symbol für die enge Verbindung zwischen Tiermedizin und Menschlichkeit. Diese Geschichten verdeutlichen, dass Herzschrittmacher in der Veterinärmedizin längst nicht nur theoretische Hoffnung sind. Sie schenken Hunden echte Lebenszeit – und ihren Halter:innen ein Stück Glück zurück.
Zwischen Mythos und Machbarkeit
Die Idee stammt ursprünglich aus den USA. Dort gibt es tatsächlich Programme wie “Pacemakers for Pets“ an der University of Georgia. Sie sammeln gebrauchte Herzschrittmacher, prüfen deren Batterielaufzeit, sterilisieren sie – und verpflanzen sie in Hunde mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen. Eine Handvoll solcher Initiativen berichtet von bewegenden Erfolgen.
Aber gilt das auch für Deutschland?
Eine Recherche unter führenden tiermedizinischen Kliniken zeigt ein gemischtes Bild – zwischen medizinischer Machbarkeit, rechtlichen Hürden und ethischen Fragen.
München: Die seltene Zweitverwendung

An der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) weiß man, dass die Idee keineswegs nur Theorie ist.
„Wir haben vereinzelt gebrauchte menschliche Schrittmacher aufbereitet und implantiert“, erklärt Prof. Dr. Gerhard Wess, Leiter der Kleintierkardiologie. Entscheidend sei, dass die Batterie noch genügend Kapazität besitzt und das Modell technisch kompatibel ist. Verwendet würden ausschließlich Geräte von Medtronic oder Vitatron, die über die nötigen Programmiergeräte verfügen.
Solche Eingriffe erfolgen jedoch nur in Ausnahmefällen, und stets unter strengen Auflagen.
„Es gibt keine offiziellen Spendenprogramme. Theoretisch könnten Menschen ihre Geräte spenden, aber praktisch ist das bisher nicht organisiert“, so Wess.
Die LMU arbeite eng mit der Humanmedizin zusammen – doch die Zahl der Fälle bleibe gering.
Gießen: Früher Praxis, heute Ausnahme

Auch an der Justus-Liebig-Universität Gießen erinnert man sich an Zeiten, in denen gebrauchte Schrittmacher häufiger bei Tieren zum Einsatz kamen.
„In unserer Klinik wurden tatsächlich menschliche Herzschrittmacher verwendet, nachdem sie aufbereitet und sterilisiert wurden“, erklärt Dr. Matthias Schneider.
Doch diese Praxis sei inzwischen stark zurückgegangen. Gründe: die kurze Restlaufzeit vieler Geräte, rechtliche Unsicherheiten und die Verfügbarkeit moderner Veterinärschrittmacher.
„Heute greifen wir in der Regel auf neue Modelle zurück“, sagt Schneider – auch, um Haftungsfragen zu vermeiden.
Ismaning: Kooperation statt Eigenimplantation

In der Tierklinik Ismaning bei München verweist man auf die universitären Spezialisten:
„Wir führen selbst keine chirurgischen Schrittmacher-Operationen durch, sondern arbeiten mit der LMU München zusammen“, so Tierärztin Dr. Džemila Mešić-Felić.
Eigene Spenden habe man bislang keine erhalten – das Thema sei aber auch hier bekannt.
Hannover: Schweigen aus Routine

Von der TiHo Hannover kam bislang nur eine automatische Eingangsbestätigung. Die Anfrage liegt dort im Postfach von Prof. Dr. Holger Volk, Leiter der Kleintierklinik.
Doch selbst wenn eine Antwort folgen sollte, deuten die Erfahrungen der anderen Kliniken bereits an:
Ein flächendeckendes Schrittmacher-Spendenprogramm für Hunde existiert in Deutschland nicht.
Zwischen Ideal und Realität
Was bleibt, ist ein Spannungsfeld zwischen menschlicher Empathie und medizinischer Realität.
Ja – es ist möglich, dass ein Hund mit einem menschlichen Herzschrittmacher weiterlebt.
Aber nein – es ist nicht etabliert. Die wenigen Fälle beruhen auf Einzelfallentscheidungen spezialisierter Kliniken, nicht auf einer organisierten Spendenstruktur.
Und so bleibt die Idee – so schön sie ist – bislang eher ein Symbol: für den Wunsch, dass selbst nach dem Tod etwas im Takt weitergehen kann.

Herzschrittmacher aus der Humanmedizin werden in Deutschland nur in Ausnahmefällen bei Hunden verwendet.
Offizielle Spendenprogramme, wie sie in den USA existieren, gibt es hierzulande nicht.
Ein zweites Leben für ein Herz – das bleibt bislang eine seltene Ausnahme, keine Regel.
Fact Sheet – Herzschrittmacher-Spenden für Hunde
Fakten auf einen Blick
Thema: Wiederverwendung menschlicher Herzschrittmacher in der Veterinärmedizin
Region: Deutschland (Vergleich: USA)
Recherchestand: Oktober 2025
🩺 Medizinische Fakten
- In Deutschland implantieren spezialisierte Kliniken wie die LMU München und die Universität Gießen regelmäßig Herzschrittmacher bei Hunden.
- Wiederverwendung gebrauchter menschlicher Geräte ist technisch möglich, jedoch nicht Routine.
- Voraussetzung: ausreichende Batteriekapazität (mind. >70 %), kompatibles Modell (z. B. Medtronic, Vitatron) und fachgerechte Sterilisation.
- Eingriffe erfolgen ausschließlich unter tierärztlicher Aufsicht mit Kardiologie-Spezialisierung.
⚖️ Rechtliche & ethische Aspekte
- Keine offizielle Regelung oder Zulassung in Deutschland für Spenden gebrauchter Human-Implantate an Tiere.
- Medizinproduktegesetz erlaubt keine systematische Wiederverwendung ohne Zulassung.
- Juristische Grauzone: Eigentum am explantierten Gerät liegt meist beim Krankenhaus oder Hersteller.
- Ethisch wird das Thema positiv bewertet, aber es besteht Unsicherheit über Haftung und Transparenz.
🌍 Internationale Perspektive
- In den USA existieren Programme wie “Pacemakers for Pets” (University of Georgia).
- Dort werden explantierte Herzschrittmacher getestet, sterilisiert und über Tierkliniken an Hunde vermittelt.
- Erfolgsquote: ca. 85 % der gespendeten Geräte sind technisch wiederverwendbar.
- In Deutschland bislang kein vergleichbares Netzwerk.
🧾 Kliniken, die auf Anfrage reagierten
| Einrichtung | Ort | Rückmeldung |
|---|---|---|
| LMU München | München | Wiederverwendung in Einzelfällen (bestätigt) |
| Universität Gießen | Hessen | Früher häufiger, heute selten |
| Tierklinik Ismaning | Bayern | Verweis an LMU, keine Eigenimplantation |
| TiHo Hannover | Niedersachsen | Automatische Eingangsbestätigung, keine weitere Stellungnahme |
🔍 Quellen & Hintergrund
- Schriftliche Rückmeldungen der genannten Kliniken (Oktober 2025)
- Fachliteratur: AAHA Journal – Donated Human Pacemakers in Pets (2023)
- Research.uga.edu, NavicentHealth.org (Pacemakers for Pets Program)
- Reader’s Digest, Medtronic News, Tierkardiologie LMU München




