Eine 30-jährige Mutter aus Gera hat einen Hund und zwei Katzen in ihrer Wohnung fast verhungern und verdursten lassen. Die Katzen hätten aus der Toilette trinken können, sagte sie vor Gericht.d0r00070190841

Der abgemagerte Bruno. Foto: Kneisel

“Eine Entschuldigung macht es auch nicht besser”, sagte die Angeklagte, als sie von Richter Friedrich Franke gegen Ende der Verhandlung gefragt wurde, ob sie noch etwas zu sagen habe. Die 30-Jährige musste sich gestern vor dem Amtsgericht Gera wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz sowie gegen das Kommunalabgabengesetz verantworten. Ursprünglich auch noch wegen Anstiftung zum Betrug, doch auf Antrag von Staatsanwalt Frank Schneegaß wurde dieser Vorwurf nicht weiter verfolgt. Man konzentrierte sich also auf die Tierquälerei sowie das Hinterziehen der Hundesteuer von rund 400 Euro.Die Beschuldigte, die das ihr Vorgeworfene weitestgehend zugab, hat ihren Hund und zwei junge Katzen derart vernachlässigt, dass sie nur knapp dem Tod entgangen sind. “Noch einen Tag länger hätte das Tier nicht überlebt”, sagt Tierheimleiterin Bärbel Zimmer, die als Zeugin aussagte. Sie meint damit die Katze, die über mehrere Tage weder mit Futter, noch mit Wasser versorgt wurde.Das stimme nicht, so die Angeklagte. Wasser habe die Katze gehabt. “Das Klo war auf”, verblüffte sie Richter Franke. “Wie kommt eine neun Monate alte Katze aus dem Klo wieder raus”, fragte er nach. “Das funktioniert”, behauptete die Geraerin. Friedrich Frankewollte es nun genau wissen: “Hatten Sie einen Flach- oder Tiefspüler?”, lautete seine nächste Frage und weil die Beschuldigte den Unterschied nicht kannte, erklärte er ihn ausführlich. Welche Toilette sie in ihrer damaligen Wohnung hatte, könne sie dennoch nicht sagen. “Das weiß man doch, wenn man sie mit der Bürste säubert”, so Franke, der in seinem Urteil später deutlich wurde: “Das glauben Sie doch selbst nicht, dass eine kleine Katze aus der Toilette trinken kann.”

Die Tierheimleiterin sagte dann auch aus, dass die Katze “völlig dehydriert” war. “Sie saß hinter dem Fenster und hat auf Hilfe gewartet”, so Zimmer. Das Tier wurde schließlich aus der Wohnung befreit.Was dem neun Monate alten Kater geschehen ist, ist ebenso dramatisch. Der hatte versucht, sich aus der Wohnung zu befreien, wollte durch das Kippfenster nach draußen gelangen. Dabei klemmte er sich jedoch ein, so dass der hintere Teil seines Körpers gelähmt war. Das Tier musste stationär behandelt werden, kam dann ins Tierheim.Bei der Rettung der beiden Katzen waren sogar Feuerwehr und Polizei im Einsatz.Auch dem Hund erging es schlecht im Haushalt der Angeklagten. Boxer Bruno, für den ein Gewicht von 30 Kilogramm normal wäre, wog nur noch 18,4 Kilo. “Ich war erschrocken. Sowas hatte ich lange nicht mehr gesehen”, erinnert sich Tierheimleiterin Zimmer an die erste Begegnung mit dem Hund. Den hatte ein Bekanter der Beschuldigten im Tierheim abgegeben und gesagt, er hätte das Tier gefunden.”Aus finanziellen Gründen” habe die 30-Jährige ihre Tiere nicht versorgt. “Ich habe nicht so viel verdient und wollte ja vor allem für meine Kinder da sein”, so die zweifache Mutter, die wegen Betruges bereits vorbestraft ist. Der Hund habe teures Futter gebraucht, weil er anderes schlecht vertragen habe. Die Geraerin habe vorgehabt, auch die Katzen ins Tierheim zu bringen.Alle drei Tiere hatten Flöhe, Bruno zudem blutigen Durchfall. Im Tierheim wurden sie wieder aufgepäppelt. Behandlung und Versorgung von Hund und Katzen haben insgesamt 1870,94 Euro gekostet, so Bärbel Zimmer.Verurteilt wurde die junge Frau zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und einer Woche. Sie muss zudem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Und sie darf sich in den nächsten fünf Jahren kein Tier anschaffen.Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: otz.de